· 

Hobbytrain Wien Ostende Express

Eigentlich nicht meine Epoche. Eigentlich auch sehr teuer. Eigentlich nur durchwachsene Berichte drüber gelesen. Doch dann: 30% Rabatt auf Alles bei einem Online-Modellbahn-Händler. Somit gab es Quasi beim Kauf von beiden Sets (2-teilig & 3-teilig), das 2-teilige Set umsonst. Also musste man doch irgendwie zuschnappen. 

 

Auspacken

Weder kenne ich einen der Original-Waggons noch habe ich mich besonders mit diesem Wagentyp beschäftigt, daher kann ich nur wenig zur Originaltreue sagen.

 

Aber alleine das Auspacken ist bereits ein Genuss. Die Waggons kommen in sehr schönen Schachteln. Es fühlt sich exklusiv an, wenn man die Verpackung öffnet.  Neben der sehr sicheren Schaumstoff-Einlage begegnet einem auf dem Weg zum Waggon noch eine ausführliche Explosionszeichnung. 

 

Die Waggons sind passgenau in Schaumstoff gehüllt, wie man es von Hobbytrain kennt. Herausgenommen werden sie mit Hilfe von Klarsichtfolie. Dabei sind die empfindlichen Dachaufbauten nochmals durch eine Kunstoff-Abdeckung geschützt.

 

Zusätzlich befinden sich bereits einige Ersatzteile sowie Kuppelstangen in jeder Packung. 

 

Erstmal genauer anschauen!

Die Wägen haben Ansteckteile en mass. Das Dach ist sehr aufwendig gestaltet. Alle Teile sind aus Kunstoff. Sie reagieren auf jede Berührung, wirken aber recht stabil. Der erste Eindruck ist: So ein Lösung wie bei Minitrix, mit Metall-Aufbaugen würde irgendwie ein sichereres Gefühl geben.

Vorbildgerecht sind die Griffe für die Einstiege unterschiedlich ausgeführt. Alles ist sehr detailliert und es macht Spaß die Waggons anzusehen. Jedes Mal entdeckt man doch wieder etwas neues. 

 

Doch griffempfindlich sind sie. Einige der Griffe und Teile sind angeklebt doch vieles ist nur gesteckt, bzw. der Kleber hält nicht. Das ist bei den kleine Treppchen des Post- und Gepäckwagens nicht so schlimm, da man sie leichter findet. Jedoch sind die Haltestangen schon sehr schwer zu finden. Beim wieder Anstecken gibt es neben der Feinmotorik noch das Problem des Lacks. Die goldenen Griffe sind aus Metall und lackiert. Der Lack löst sich bei einer Metallpinzette leider sehr schnell ab. 

 

Sehr schade: Die ursprünglich angekündigten, bedruckten Holzbretter wurden nicht umgesetzt. (Externer Link zu Bild). Leider finde ich die detaillierten Bilder nicht mehr, jedoch sah es auf der Spielwarenmesse sehr vielversprechend aus.  

 

Beleuchtung

Serienmäßig sind die Schlafwägen und der Speisewagen mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Diese verfügt über eine Schnittstelle für 6-polige Funktionsdecoder. Allerdings ist der Einbauplatz sehr beschränkt, so dass eigentlich nur ein D&H 05 in Frage kommt. Diesen gibt es auch als Flachband-Kabel (z.B. bei 1001-digital.de) zum einfachen Einstecken. Die Beleuchtung erfolgt direkt, d.h. die LEDs strahlen nach unten. Und da liegt die Kurx begraben: Bei den Abteilwaggons sind nur die Abteile beleuchtet. Der Gang nicht und das ist sehr schade. Das Licht verteilt sich recht gut im Waggon, aber nur auf einer Seite. Wenn der Waggon auf mit der Gangseite zu einem steht, ist dort kein Licht zu sehen. Auch beim Speisewagen fehlt leider eine gleichmäßige Ausleuchtung. Im Bereich des Gangs neben der Küche ist es stockfinster. Der Strom für die Beleuchtung wird durch einfache 1-fedrige Stromabnehmer abgenommen. Die Abnahme erfolgt dabei, ganz klassisch, je Drehgestell auf einer Seite. Die Stromabnahme ist sehr zuverlässig. Ein Kondensator ist nicht verbaut. Leider fehlt auch eine Anleitung für einen Puffereinbau. 

 

Inneneinrichtung

 

Sehr schön gelöst ist die Inneneinrichtung. Die Abteilwaggons haben sehr schön bedruckte Wände und auch die Möbel sind ansatzweise nachgebildet. Auch die beiden kurzen Postwaggons sind mit Trennwenden versehen, aber lange nicht so detailliert wie die Reisezugwaggons. 

 

Kupplen

Die verbauten Standard-Kupplungen haben einen sehr weiten Kuppelabstand. Jedoch sind in jedem Set auch Kuppelstangen vorhanden. Diese ermöglichen ein Puffer-an-Puffer fahren. Andere Kuppelsysteme, wie die Profi-Erbse oder meine eigentliche Standard-Kupplung (PeHo-KKK > Blog Beitrag) bringen hier kein schönes Ergebnis. Zum kurz Kuppeln muss man entweder auf die Kuppelstangen oder die stark verkürzten Norm-Kupplungen (z.B. bei Eichhorn Modellbau erhältlich). Da die Wägen sehr sehr empfindlich sind, und die Kuppelstangen eine sehr anstrengende Geschichte sind, empfehle ich hier ausdrücklich die Kupplungen von Eichhorn / MTR.  

 

 

Fahreigenschaften

Durchwachsen. Die 4-achsigen Waggons fahren sehr leicht, wenn man bedenkt das diese auch eine Stromabnahme haben. Die Achsen dort sind spitzengelagert. Natürlich gibt es leichtere Exemplare, aber man kann nicht immer jedes Modell mit Kato vergleichen. Was jedoch absolut katastrophal und eine absolut dämliche Konstruktion ist, sind die 3-achsigen Waggons. Diese sind - ähnlich wie beim Henschel-Wegemann-Zug von Arnold - nicht spitzengelagert sondern werden an der Achse direkt gelagert. Dies geschieht durch 2 Achslager sowie einer Klipshalterung in der Mitte der Achse. D.h. jede der Achsen bei den 3-Achsern wird durch je 3 Kunstoff-Steile fixiert. Der Rollwiderstand ist eine Katastrophe. Außerdem knarzen die Achsen im Betrieb als hätte man eine schlecht eingestellte Bohrmaschine auf den Schienen. Erst nach der Behandlung mit Uhrmacherfett lassen sich die Waggons ohne Probleme ziehen. Ich schreibe hier ganz bewusst nicht "rollen" denn zum Rollen bringt man die Waggons seltenst. 

 

Einsatz

Hobbytrain empfiehlt die BR 18.3 aus eigenem Hause zu den Waggons. Und sie macht wirklich ein sehr gutes Bild mit den Waggons. Sie schafft auch ohne Bearbeitung der Radsätze alle 5 Waggons ohne Probleme. Einzusetzen sind die Waggons nur in der Epoche I, wobei es auch hier schwierig wird, da die kurzen Gepäck- und Postwägen zum eigentlich veranschlagen Einsatzzeitraum garnicht mehr für die CIWL Unterwegs waren. Bei mir als Teppichbahner mit Modulen fährt immer ein schlechtes Gefühl mit, wenn ich die Waggons auf die Anlage stelle, denn bei den Strecken hier verschwindet so ein kleiner Aufstiegsgriff schnell und unauffindbar. 

 

Zusammenfassung

Der Reguläre Preis pro Waggon wäre bei der UPV um die 75 Euro. Wenn die Wägen in den Abverkauf gehen, oder man so ein Angebot wie ich findet, ist man bei rund 50 Euro pro Waggon. Für Digitalfahrer kommen auf alle Fälle nochmal 15-20 Euro für die drei Reisezugwagen für je einen Decoder dazu, da eine stromführende Kupplung für den Schacht zu lang wäre. wenn man keine Vitrine mit Anlagenanschluss hat, dann sollte man dringend einen Satz verkürzte Kupplungen kaufen. Die Detaillierung lässt keine Wünsche offen, die Fahreigenschaften der 3-achser sind hingegen katastrophal. Nach jedem Einsatz sollte man ausführlichst die Anlage und die Waggons überprüfen, ob nicht doch eines der dutzenden Teile verschwunden ist. 

 

Fazit

Für den Preis muss man doch sehr genau nachdenken. Die Wagen sind wunderschön gearbeitet und machen sich großartig in der Vitrine, aber auch auf der Anlage (wenn man sie etwas schmiert). Aber eigentlich sollte man bei einem solchen Preis nicht nacharbeiten müssen. Zur UVP würde ich sie tatsächlich nicht kaufen, sondern auf den Abverkauf warten. Sie machen definitiv Freude... aber auch ein großes Loch ins Modellbahn-Budget.